CARL SPITZWEG

Der "liebenswürdige Spitzweg" ist in Erding unvergessen

Der "liebenswürdige Spitzweg", wie ihn seine Malerfreunde Eduard Grützner, Eduard Schleich und Moritz von Schwind nannten, ist in Erding unvergessen. In diesem Landstädtchen verbrachte er 1825 eine kurze Zeit als Apothekerlehrling, der damals nicht nur mit Mörser und Pistill umging, sondern auch den Zeichenstift führte. Seine frühesten Skizzen erinnern daran. Der Malerpoet Carl Spitzweg erlangte mit seinen Bildern, die die Biedermeierzeit schildern und in heiterer Farbigkeit gehalten sind, große Popularität.

Er stammte aus München

Spitzweg wurde am 5. Februar 1808 als Sohn des Kaufmanns Simon Spitzweg in der königlich bayerischen Residenzstadt München in der Neuhauserstraße geboren. Für seine drei Söhne wählte der Vater praktische Berufe. So wurde Carl dem Wunsch seines Vaters entsprechend Apotheker. *" Spitzweg verbrachte nach seiner Gymnasialausbildung 1825 zunächst eine kurze Lehrzeit in Erding und trat danach auf Vermittlung seines Vaters am 1.April 1825 in die renommierte Königliche Hof-Apotheke in München ein" * und war danach als Provisor in der Löwenapotheke in Straubing tätig.

Quelle: Das Radolfzeller Spitzwegkabinett

"Die glücklichen Opfer der Chemie"

In einer Skizze, die zu den frühesten Zeichnungen Spitzwegs gehört, hat der Pharmazielehrling eine originelle Laborszene festgehalten. "Die unglücklichen Opfer der Chemie" hat Spitzweg die dramatische Zeichnung betitelt. Der Vermerk eines Unbekannten lautet: "Als Apothekerlehrling in Erding gezeichnet". Einer der Laboranten hält, halb am Boden liegend, den Destillierkolben fest und ruft aus: "Ich erstick!" Der andere flieht eilends und erwidert: "Lassen´s aus!" Diese Ausrufe sind in die Nähe der Figuren hingekritzelt. Das Original der Skizze war zum letzten Mal 1917 bei einer Versteigerung in München aufgetaucht und ist bisher verschollen. Eine Nachbildung ist, auf eine Kupferplatte graviert am Apothekerhaus in Erding angebracht.

Mörser und Pistill vertauschte er mit Pinsel und Platte

Nach bestandenem Apothekerexamen reiste der frischgebackene Provisor 1832 nach Italien bis in die südlichsten Regionen. Als er in seine Heimat zurückgekehrt war, warf ihn eine fiebrige Erkrankung auf das Krankenbett. Im kleinen Heilbad Sulz am Peißenberg in Oberbayern erholte sich Spitzweg im Sommer 1833. In der Kuranstalt gehörte es zur Therapie, die Badegäste Zeichnungen anfertigen zu lassen, die dann begutachtet wurden. Spitzweg folgte dieser Übung und zeichnete einen bäuerlichen Kachelofen. Die Skizze fand Beachtung und der Anstaltsdirektor Christian Heinrich Hansonn, der auch Landschaftsmaler war, beeinflusste Spitzweg, Maler zu werden, was dieser auch tat. Spitzweg hing seinen Apothekerberuf an den Nagel und vertauschte Mörser und Pistill mit Pinsel und Palette. Damit begann die künstlerische Laufbahn Carl Spitzwegs und als Maler erlangte er große Berühmtheit, obwohl er auch Autodidakt war.

Auf einer Reise besuchte Spitzweg wieder Erding

Aus einem Brief an seinen Bruder Eduard geht hervor, dass Carl Spitzweg 1848 Erding besucht hat. Aus Moosburg schreibt er: "Ich hoffe euch alle gesund und wohl. Ich kam über Erding und Freising gestern Abend hier an und gedenke diesen Mittag nach Landshut weiterzugehen, von wo ich nach kurzem Aufenthalt nach Regensburg reise…Mein Malkasten, der mich staunlich geniert, weil ich kaum mehr zum Malen kommen werde, schicke ich Dir durch hiesigen Bothen zu, der Freitag dort eintrifft. Sollte ich ihn später wieder brauchen, lass ich mir´n wieder schicken. Doch glaub nicht, dass es dazu kommen wird."

Erdinger Stadtapotheke war Modell für Spitzwegs "Storchenapotheke"

Das frühere Haus der 1690 gegründeten Erdinger Stadtapotheke mit Erker, den typischen Stadtturm im Hintergrund, hat Spitzweg aller Wahrscheinlichkeit nach für sein auf Holz gemaltes Ölbild „Storchenapotheke“ als Modell gewählt. Dies ergibt einen Vergleich des romantischen Gemäldes mit einer Ansicht der alten Erdinger Apotheke in der Langen Zeile. Vor 1900 erfolgte dort eine bauliche Umgestaltung. Abgesehen von kleinen künstlerischen Freiheiten, ist die Ähnlichkeit der Bauten verblüffend. Wie auf einer Reihe anderer Bilder kennzeichnete Spitzweg die Apotheke mit einer Storchenfigur als Emblem. Auch ein Mörser mit Pistill steht unter dem Parterrefenster, aus dem der Apotheker herausschaut. Aus dem Fenster des oberen Stockwerkes blickt eine Frau, die als Tante des Malers gedeutet wird, bei der Spitzweg in Logis gewesen sein soll.

 

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